Sonntag, 12. Dezember 2010
Ísland er stórasta land í heimi!
Island ist das größte Land der Welt. Diesen (möglicherweise grammatisch unkorrekten) Satz sagte mal die Frau des isländischen Präsidenten. Nein, Island ist DIE Welt. Die Zivilisation erstreckt sich auf einem km2 des 101 Reykjavik. Der Rest der Menschheit lebt auf weiteren 5 km2: In Reykjavík, Kópavogur und Hafnarfjörður. Ab dann ist Schluss. Hunderte von km2 Wüste, Tausende von km2 Ozean. Und so müssen wir uns alle über den Weg laufen, in dieser winzigen, aber sehr hoch konzentrierten Welt. Isländische Bands gehen nicht auf Tour. Sie treten immer wieder in Reykjavik auf: in Factory, in Sodoma, in dem einen oder anderen Buchladen, auf der Straße - eigentlich überall, wo man Strom und Publikum finden kann. Und sie sind alle hier: sie leben und arbeiten um die Ecke. Es überrascht mich nicht mehr, Björk in einem Buchladen beim Konzert von "Amiina" zu sehen, später einer Musikerin von "Amiina" an der Ampel am Hlemmur, dem Busbahnhof, (20 Meter von meiner Haustür) zu begegnen, "Múm" (eine weltweit bekannte Band, deren Musik mir schon vor mehr als 5 Jahren von einer Freundin in Moskau gegeben wurde) zu sehen, als sie ganz still in der Ecke bei einer Kunstausstellung Hintergrundmusik machen, und dann, nach 5 Monaten Aufenthalt in diesem Land wird mir schlagartig klar, dass ich mit dem Gitarristen von "Útidúr" und dem Schlagzeuger von "Agent Fresco" einen Semester lang in einem Kurs saß, dass sie alle mit mir an dieser Uni Englisch studieren. Und auch wenn diese Bands nicht so der große internationale Knall sind, auch wenn sie außerhalb von Island kaum bekannt sind, in Deutschland wären solche Bands überall in den vielen Städten zerstreut, selbst wenn sie "irgendwo in Berlin" wären, Berlin ist riesig, da kann man sie verlieren und verlaufen. Ich war nur 2 Tage in Berlin, aber ich habe sieben Jahre in einer Stadt verbracht, in die das 2fache an Bevölkerung von Island rein passt, also das 4fache von Reykjavik, und nie ist mir was vergleichbares passiert. Wir sind hier wahrlich am Arsch der Welt, aber ich glaube nicht, dass irgendein anderer Ort der Erde das Gefühl geben könnte, im Mittelpunkt der Welt zu sein als diese Insel, dieses Land ohne Autobahnen, ohne Züge, ohne Wälder und nur mit einer einzigen Stadt. Und Útidúr sind wirklich wunderbar. Gestern Nacht ist es passiert. Das Erste Mal, dass mich eine isländische Band überzeugen konnte. Ich habe Útidúr gestern das dritte Mal gesehen, bei dem jetzt schon legendären Konzert in Factory, wo ein gutes Drittel des Publikums aus unserer Erasmus-Familie bestand, in der Nacht, in der ich die ersten glücklichen Gesichter sah, frei von Lernerei, teilweise betrunken und strahlend, wie noch nie. Und bald schon werden diese Gesichter erneut strahlen, diesmal werden es Tränen des Abschieds...
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