Ich ist weißgottwiespät, und ich habe das Gefühl, als würde ich etwas verbotenes Tun, da ich morgen um 10 einen Seminar habe.
Aber mein Blog braucht mich einfach. Jetzt. Und ich mag das Licht einer normalen Lampe sehr, und meine hohe Decke auch, ich weiß jetzt, wie viel Gemütlichkeit eine Energiesparlampe zerstören kann.
Ich befinde mich grad in einem merkwürdigen Zustand. Einerseits scheine ich diese Stadt schon zu kennen und solche Namen wie "Bakkus" und "Bar Eleven" sind für mich (im Gegensatz zu den meisten von euch, Lesern) wie alte Bekannte. Einerseits habe ich schon meine Fühler ausgestreckt und weiß, wo die Buchläden, wo die Briefkästen und wo die Büchereien sind, andererseits suche ich immer noch nach einer Drogerie und nach einem Fotoautomat (ja, DM ist das einzige, was ich hier vermisse), und kann immer noch staunend mit aufgerissenen Augen durch manche Straßen gehen. Ich bin auf der Grenze von einem Touristen und einem Einwohner, von Chaos und Zuhause. Wobei in Stuttgart hatte ich auch nie das Gefühl, mich so richtig eingelebt zu haben, hat wohl auch mit der Größe der Stadt zu tun. Mein Ziel ist es jetzt, gute Musikläden, Videotheken, Kinos und Schwimmbäder anzusteuern - bisher bin ich immer nur an diesen Einrichtungen vorbei gegangen. Und Fischmarkt, und Flohmarkt, und ein Zoo - nicht zu vergessen. Viel zu tun in der Stadt. Und Zuhause - da ist alles eingerichtet, ich weiß, wann immer die Putzer kommen, und ich mach mir (: mama, sei stolz auf mich! :) fast jeden Tag selber Essen, ein vergleichsweise gesundes und preswertes und ich bin nicht zu faul, auch jeden Tag das Geschirr zu spühlen. Nur mit pünktlich ins Bett gehen habe ich noch nicht gelernt, ob ich das je lernen werde?...
Die Uni ist bei mir genau so auf der Grenze zwischen Gemütlichkeit und Chaos. Ich kenne meine Kurse, war auch schon überall drin, hab aber immer noch viele Papiere nicht fertig und nicht alles ist mir vertraut dort, z.B. die Fachschaft, die anscheinend sehr aktiv ist, die habe ich nirgens gesehen. Wohl aber ein Konzert direkt im Háskólatorg - das ist das Hauptgebäude hier in der Uni, die die Univerwaltung, Mensa und die größeren Hörsähle in sich vereint. Da verbringe ich auch eigentlich die meiste Zeit, die ich an der Uni bin. Es fühlt sich alles sehr leicht und transparent dort an, mit viel Luft und Platz - die braucht man auch, schließlich geht täglich fast jeder Student durch dieses Gebäude. Und es gibt kostenloses Wasser. Und eine Art Treppe nach Unten, die im Kreis geht und extrem lange Stufen hat, in die 2 bis 3 Schritte rein passen, was sehr verwirrend ist.
Was sehr viel zur Gemütlichkeit an der Uni beiträgt, ist, dass jeder Student einen "Buddy" hat, einen Isländer, an den man sich wenden kann mit Fragen, oder mit dem man was unternehmen kann, abhängig davon natürlich, was für ein Mensch dieser Student ist. Ich hab jedenfalls Glück gehabt mit meinem Buddy, er hat mir schon ziemlich viel von Reykjavik gezeigt und von Dingen und Orten erzählt, von den ich keine Ahnung hatte, dass es sie gibt. - Wie das Filmfestival, was in einigen Wochen hier stattfinden wird. Und seine Mutter - da sieht man mal wieder, wie klein die Welt, vor allem auf Island, ist - seine Mutter war in den 60ern auf der Schule in Núpur, als es noch eine Schule war. Sie war also eines dieser Mädchen mit den lustigen Frisuren (so wie eben die Mode in der 60ern war), die wir jedes Mal als wir aus unseren Klassenräumen beim Sprachkurs rausgingen anblickten. Aber auf Island ist sowieso jeder mit jedem höchstens über 2 Ecken verwandt, so ein Wunder ist es dann nicht.
Es vergeht echt kein Tag, an dem nicht irgendwas passiert, was mich an Núpur erinnert. Und nie erscheinen wir weniger als zu fünft. Auf der Erasmus-Willkommensparty, gestern im Bakkus, als eine von uns Geburtstag hatte, da sind am Ende etwa 30 Leute gekommen, und die Bar wurde wieder gut gefüllt. Wobei die natürlich am Freitag und Samstag die reinste Hölle ist - ein Gemisch aus Mensch, Lärm und Glasscherben. Gestern war es im Vergleich schön ruhig und ich konnte zum ersten Mal den Boden von diesem Laden sehen. Was wirklich isländisch ist - kein Klischee - überfüllte Bars, so dass man das Gefühl hat, sich nciht weiter bewegen zu können. Aber man kann. Und tanzen auch. Es ist ein sehr flüssiges Gefühl in dieser Menschenmenge, ich habe sowas in Deutschland nie erlebt. Und natürlich sind die Isländer viel verrückter im Verhalten, vor allem wenn die ausreichend getrunken haben. Hier muss ich also keine Angst haben, mich auf Partys merkwürdig zu verhalten. Was ich auch schon erfolgreich getestet habe - auf der Erasmus-Willkommensparty - Stichwort auf Tischen tanzen :) Wobei der Tisch sich als ganz schon wackelig erwies, so dass ich nach einer Weile eine Notlandung machen musste, bevor der Tisch noch irgendwohin umkippt.
So, jetzt gehts aber ins Bett! Ich werd mal ne neue Portion Fotos machen und hochladen, ich muss mir nur einen freien Tag aussuchen und schönes Wetter abwarten. Heute hat es nämlich ziemlcih ekelhaft geregnet. Ich musste 280 Kronen für den Bus bezahlen - eine Schweinerei ist dieser Regen!
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